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Warten auf Hilfe: Wie Suchtbehandlung digital werden könnte

  • springerpaul4
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Von Aminu Mohammed

 

Millionen von Menschen weltweit kämpfen mit verschiedenen Formen der Sucht, darunter Drogen- und Alkoholabhängigkeit. Diese Abhängigkeit hat sich zu einer schweren Krankheit entwickelt, die Betroffene in einer Art Blase gefangen hält und ihnen das Leben erschwert.


Sucht ist eine chronische Erkrankung, die sich negativ auf die psychische Gesundheit, Beziehungen und berufliche Laufbahnen auswirken kann. In einigen Fällen scheuen sich Betroffene, Hilfe in Anspruch zu nehmen, aus Angst vor Stigmatisierung und sozialer Ausgrenzung, was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann.


Es handelt sich um einen Zustand, der einen starken inneren Drang auslöst, bestimmte Handlungen auszuführen selbst dann, wenn diese schädlich sind. Menschen können von gesundheitsgefährdenden Substanzen wie Alkohol, Marihuana oder Nikotin abhängig werden. Ebenso können nicht-stoffgebundene Abhängigkeiten entstehen, etwa von Glücksspiel, Pornografie oder Videospielen.


Sucht stellt weltweit eine erhebliche gesundheitliche Herausforderung und Belastung dar. Laut der World Health Organisation sterben jährlich etwa 3 Millionen Menschen infolge von Sucht. Ein Großteil dieser Todesfälle ist auf Alkoholabhängigkeit zurückzuführen.


Der Bericht zeigt zudem, dass weltweit rund 209 Millionen Menschen an Alkoholabhängigkeit leiden. Diese besorgniserregende Entwicklung stellt eine globale Belastung dar, wobei nur ein geringer Anteil der Betroffenen Zugang zu geeigneter Behandlung hat.


Die Suche nach Hilfe und medizinischer Behandlung gehört zu den mutigsten Schritten, die ein suchtkranker Mensch unternehmen kann. Gleichzeitig erscheint sie vielen als kaum überwindbare Herausforderung, insbesondere aufgrund finanzieller Hürden und gesellschaftlicher Stigmatisierung.


Viele Betroffene haben Schwierigkeiten, die notwendige Unterstützung zu erhalten und eine Behandlung zu beginnen. Gründe dafür sind lange Wartezeiten auf spezialisierte Therapien, administrative Hürden, Personalmangel und fehlende Behandlungskapazitäten. In dieser kritischen Phase kann es dazu kommen, dass Betroffene die Geduld verlieren und in den Substanzkonsum zurückfallen.


Hürden der Suchtbehandlung in Deutschland

Das Suchthilfesystem in Deutschland ist derzeit stark belastet, und Therapeutinnen und Therapeuten sind oft überlastet. Viele Patientinnen und Patienten leiden unter Drogenabhängigkeit. Obwohl die Standardbehandlungen grundsätzlich wirksam sind, sprechen nicht alle Betroffenen gleichermaßen darauf an.


Unabhängig von den jeweiligen Therapieformen wäre eine Entlastung der Fachkräfte von großem Vorteil, da sie dadurch effizienter arbeiten und die Behandlungserfolge gesteigert werden könnten.


Jedes Jahr benötigen in Deutschland Hunderttausende Menschen Unterstützung und Behandlung aufgrund von Substanzabhängigkeit, darunter Alkohol und andere Drogen. Dennoch erhalten viele von ihnen nicht die notwendige Hilfe. Ursachen hierfür sind unter anderem lange Wartelisten, unzureichend individualisierte Angebote, ein Mangel an Beratungsstellen sowie hohe Abbruchquoten während der Behandlung.


Der Hope-Algorithmus bringt neue Hoffnung für Patientinnen und Patienten

Das Hope Projekt nutzt künstliche Intelligenz und Datenanalysen, um die Suchtbehandlung effektiver und individueller zu gestalten. Es unterstützt Therapeutinnen und Therapeuten in Deutschland dabei, Patientendaten zu analysieren, geeignete Behandlungen auszuwählen und für besonders dringende Fälle passende Kliniken zu empfehlen.


Ziel des Projekts ist es, den Zugang zu Unterstützung zu verbessern und die Zahl der Therapieabbrüche zu reduzieren. Gleichzeitig soll die Arbeitsbelastung der Fachkräfte gesenkt und die Wirksamkeit der Behandlung gesteigert werden.


Der entwickelte Algorithmus kann vorhersagen, ob ein Patient eine Behandlung abbrechen oder einen Rückfall erleiden könnte. Ebenso kann er erkennen, wenn stabile Verläufe vorliegen, sodass eine Entlassung möglich ist.


Darüber hinaus identifiziert das System Risikofaktoren auf Basis von Gesundheitsdaten und stellt diese Informationen den Therapeutinnen und Therapeuten zur Verfügung, damit diese die Behandlung individuell anpassen können. Die Kenntnis solcher Risiken ermöglicht es, gezielt auf besonders gefährdete Patientinnen und Patienten einzugehen.


Das digitale Tool weist eine hohe Genauigkeit bei der Vorhersage von Therapieabbrüchen oder erfolgreichen Behandlungsverläufen auf. Ziel des Projekts ist es, mithilfe von KI die Erfolgsquote von Suchtbehandlungen zu erhöhen und die Arbeit von Fachkräften effizienter zu gestalten.


Dr. Adjmal Sarwary, Projektmanager beim Hope Project von MI4People, betont, dass der Algorithmus nicht dazu entwickelt wurde, Ärztinnen und Therapeuten zu ersetzen, sondern sie zu unterstützen. Laut Sarwary wurde das System bereits in zwei deutschen Kliniken eingesetzt und erreichte eine Genauigkeit von etwa 90 %. Aufgrund strenger Datenschutzbestimmungen könne das Tool jedoch nicht frei zugänglich gemacht werden.


„Das Projekt zielt darauf ab, Patientendaten, Informationen zum sozialen Umfeld sowie den aktuellen Behandlungsstatus zu analysieren. Diese Daten werden in einen KI-Algorithmus eingespeist, der Schutz- und Risikofaktoren identifiziert. Daraus ergibt sich eine Einschätzung, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Therapieverlauf oder einen Abbruch ist.“
„Über die allgemeine Leistungsfähigkeit des Algorithmus lässt sich allerdings nur eingeschränkt sprechen, da wir ihn aufgrund strenger Datenschutzgesetze in Deutschland nicht frei zugänglich machen können.“

Zusammenarbeit mit Kliniken

Das Hope Project arbeitet derzeit mit zwei Kliniken zusammen, darunter die Ludwig-Mühle-Klinik in Deutschland. Der Algorithmus wurde dort implementiert und mit 3.000 bis 4.000 Patientendaten trainiert. Auch wenn die Datenbasis noch begrenzt ist, zeigen die bisherigen Ergebnisse eine hohe Vorhersagegenauigkeit.


Das Projekt läuft seit etwa zweieinhalb Jahren und konzentriert sich darauf, Ressourcen effizient zu nutzen und wirksame Behandlungsansätze für Patientinnen und Patienten zu identifizieren.


Ausblick

Langfristig wird erwartet, dass digitale Lösungen in der Suchtbehandlung zu hochgradig personalisierten Therapieansätzen führen, die die Arbeit medizinischer Fachkräfte sinnvoll ergänzen.


Dazu gehört der Einsatz intelligenter digitaler Technologien zur Unterstützung von Betroffenen ebenso wie die Entwicklung klarer Regelungen zum Schutz sensibler Gesundheitsdaten.

 

Mit freundlichen Grüßen

MI4People

 
 
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